Die Zukunft der Medien ist multiperspektivisch und semi-real. Geschichten von Helden, Schurken und Welten werden in Zukunft nicht mehr von einem Autor in einem Ursprungsmedium erzählt und dann in den anderen wiederholt, sondern simultan von vielen in allen Formaten weitererzählt.

Transmediales Erzählen revolutioniert die Unterhaltungsbranche mit seinen „Rabbit Holes“
Jeder weiß, wer Batman ist. Der geheimnisvolle Superheld heißt in Wirklichkeit Bruce Wayne und ist ein wohlhabender Geschäftsmann in der fiktiven amerikanischen Stadt Gotham City. Wer Batman ist, ist völlig unstrittig. Sehr viel schwieriger zu sagen ist hingegen, was Batman ist. Ist es ein Comic? Ein Kinofilm? Eine TV-Serie? Gar ein Computerspiel? Und was passiert eigentlich genau in dieser Geschichte? In dem Moment, in dem man diese Fragen nicht mehr ohne Weiteres beantworten kann, handelt es sich um einen Fall von transmedialem Erzählen. In der Unterhaltungsbranche ist Transmedia das aktuelle Buzzword und wird als Zukunft des Storytelling gehandelt.

Transmediales Erzählen
Transmediales Erzählen ist eine neue Art, wie Geschichten erzählt werden. Es ist eine Bau-Anleitung für ein Geschichtenuniversum: Viele einzelne Geschichten greifen ineinander und bilden zusammen eine Welt, zu der jeder Handlungsstrang, jedes Medium einen Zugang darstellen kann. Leser, Zuschauer und Zuhörer werden zu „Experiencern“ dieser Geschichtenwelt, sie können sie selbständig erkunden und gestalten sie mit. Diese Erfahrung ist das Produkt, das verkauft wird. „Liquid Content“ bezeichnet das, was im Zeitalter des transmedialen Erzählens aus einer Geschichte wird: Sie löst sich von einzelnen Medien und einem einzigen Erzähler ab und „verflüssigt“ sich. Die Story steht nicht mehr fest, sie hat keinen Anfang und kein Ende mehr. Liquid Content wird erzählt, indem er erfahren wird, und verändert sich mit jeder Erfahrung. Liquid Content erfasst alle Aspekte des Storytelling:

1. Geschichte wird Welt
Einen Roman zu lesen bedeutet, eine lange Reihe von Buchstaben zu verfolgen, an denen entlang sich in der Vorstellung des Lesers eine Geschichte entspinnt. Dabei können in der Handlung auch Rückblenden und Zeitsprünge vorkommen, doch die Art der Aufnahme ist immer linear, wie ein Zeitstrahl. Im transmedialen Erzählen hingegen wird die Geschichte nicht mehr an einer Linie entlang erzählt, sondern viele kleine „Teilgeschichten“, Handlungsstränge und Nebenplots bilden ein ganzes Geflecht, ein „Story Universe“. Dieses Geschichtenuniversum ist von vielen Punkten aus zugänglich.

2. Medien werden „Rabbit Holes“
Damit verändert sich auch die Rolle der Medien: Comics, Filme und Computerspiele werden zu Eingängen in dieses Universum. Statt der primäre Träger einer einzigen Geschichte zu sein, werden die Medien zu „Rabbit Holes“, durch die der Leser/Zuhörer/Zuschauer in die Geschichtenwelt hinein verschwinden kann (so wie Alice in „Alice im Wunderland“ durch das „Rabbit Hole“, das Kaninchenloch, verschwindet). Dabei ist kein Medium wichtiger als das andere, und es muss auch keine bestimmte Reihenfolge à la „erst das Buch lesen, dann den Film sehen, dann das Computerspiel spielen“ eingehalten werden. Jedes einzelne Medium ist ein gleichwertiger Zugang zur Geschichte, auch wenn der „Experiencer“ über einen Nebenplot oder eine Rückblende einsteigt. Das hat natürlich einen absatzwirtschaftlichen Hintergedanken: fanatische Comicleser, Computergamer oder Kinogänger können so, über das Medium, für Geschichten begeistert werden, die sie sonst gar nicht interessiert hätten.

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