Wenn wir über Trends reden, reden wir über Entwicklungen, die Märkte und Konsum, Wirtschaft und Gesellschaft grundlegend verändern. Meist geht es dabei um die Inhalte, nicht um die Infrastruktur ökonomischer Interaktion: das, was gehandelt wird, nicht das Wie. Mit dem Titelthema dieser Ausgabe von „Trend Update” nehmen wir den grundlegenden Wandel des Mediums Geld ins Visier: die Zukunft des offiziellen Geldsystems, das Entstehen von alternativen Währungen im und durch das Internet und die möglichen Zukünfte des Bezahlens.
Die Brisanz ergibt sich schon aus der andauernden Finanz- und Staatsschuldenkrise, die uns auch 2012 als überragendes Thema begleiten wird. Die Antwort der US-amerikanischen und europäischen Politik besteht darin, die Märkte mit neu geschaffener Liquidität zu fluten – tatsächlich sprechen Banker davon, dass neues Zentralbank-Geld aus dem Nichts „aufpoppt”.
Aber Pop-up Money entsteht nicht nur im offiziellen Bankensektor. Neue Währungen und Quasi-Währungen sprießen überall aus dem Boden: Im Netz entstehen Bitcoins aus blanker Rechenleistung, in Online-Games wird Gold geschürft, in Tauschnetzwerken wird mit Arbeitszeit bezahlt und im B2B-Sektor wächst der Barter-Handel. Wie die Zukunft des mobilen Bezahlens aussehen könnte, zeigt nicht nur das Beispiel Kenia, wo das Mobiltelefon in großen Teilen Geldbörse und Girokonto ersetzt, sondern auch unsere Technolution-Analyse zu den Marktchancen von „Google Wallet”, Googles mobilem Bezahlsystem. Egal, in welcher Branche Sie arbeiten, der Trend zum Pop-up Money wird früher oder später auch Ihre Geschäftsgrundlage tangieren. Von daher wünschen wir inspirierende Lektüre und ein in jeder Hinsicht – und jeder Währung – ertragreiches Jahr.
Herzlichst, Ihr Holm Friebe

