Mit der Elektromobilität beginnt ein neues Zeitalter der Fortbewegung. Dabei geht es um mehr als den Wechsel einer Antriebsart – nichts weniger als das Re-Design unseres gesamten Mobilitätskosmos steht an: Urbanisierung, Globalisierung und die durchgreifende Digitalisierung unserer Lebenswelt erzwingen eine komplett neue Systematik für eine Welt, die ohne Mobilität nicht leben kann.

Matthias Horx hat das Zukunftsinstitut gegründet; er lebt als „Multi-Glokalist” zwischen London, Frankfurt und der „Homebase” Wien.
Das neue Surren
Was hat Design mit dem Öko-Thema Elektromobilität zu tun? Das kommt ganz darauf an, wie man „Design” buchstabiert: entweder in der alten Weise als reine „Gestaltung von Oberflächen”. Dann ist die Aufgabe eher konservativ: Elektroautos müssen rollen und sich in unser ästhetisches Bild eines Automobils einordnen. Dass sie sich bislang noch nicht so gut verkaufen, ist dann eher ein profaner Verpackungs- und Marketing-Job.
Oder wir verstehen die Aufgabe des Designs als universelle Zukunftsgestaltung. Und dann geht es nicht um das Verkleiden von Funktionen, sondern um das Entwickeln von ganzheitlichen Systemen.
Ein Elektroauto ist – jeder, der schon einmal eines gefahren ist, weiß das – eine echte Irritation. Während ein Verbrennungsmotor vibriert und brummt und durch die gezähmten Explosionskräfte in seinem Inneren auf unsere Psyche wirkt, kommt das Elektroauto mit utopischer Leichtigkeit daher. Man weiß anfangs nicht, ob es „an” ist. Dabei können Elektromobile jeden röhrenden Sportwagen an der Ampel überholen, wenn sie wollen. Aber wollen sie das?
Elektromobilität eröffnet eine andere Form der individuellen Bewegung, bei der es nicht mehr um (männliche) Dominanz, Status, „Beherrschung” von Raum und Zeit geht. Mit der Elektromobilität neigt sich nicht nur ein Antriebsstrang, sondern eine Kultur dem Ende zu. Das Hubraum-Kolben-Auto hat wie kaum ein anderes Artefakt unsere Welt verändert. Das Fossil-Fahrzeug hat Räume erzeugt, Städte, ja ganze Kontinente „terraformt” – Amerika ist ohne das Automobil nicht vorstellbar. Elektromobilität irritiert diese Logik zutiefst. Und das ist wahrscheinlich der eigentliche Grund für das momentane Stocken der E-Revolution. Elektroautos sind im urbanen Lebensraum (zwei Drittel der Menschheit werden in Zukunft in Städten wohnen) an Effektivität nicht zu überbieten. Sie stellen Gewohnheiten und Anrechte infrage, auch Eigentums- und Verfügungsformen. Und sie erzeugen ungewohnte Schnittstellen zwischen Mobilität, Wohnen und Energieerzeugung. Während sich unsere Häuser rasend schnell in Energieerzeuger verwandeln, könnten Elektroautos eine ganz neue Autarkie verwirklichen: Sie sind nicht nur Mobilitätsträger, sondern auch Energiespeicher der Zukunft. Im Rahmen des Energy Grid führen sie zu neuen Kooperationsformen, anstatt jeden in seiner „Fahrzelle” einzusperren.
In diesem Trend Update wollen wir diesen spannenden Komplexitäten nachgehen. Der Frage von Elektrizität und Mobilität und der dazugehörenden Metagestaltung. Der wechselseitigen Durchdringung der Systeme von Mobilität, Urbanität und Energieversorgung ebenso wie den Fragen von Eigentum, Nutzung und Infrastrukturen. Kein Zweifel, dass wir es hier mit einer der spannendsten Evolutionen von Mensch-Technik-Systemen in diesem Jahrhundert zu tun haben. Dies eine Designfrage zu nennen, ist gleichzeitig zu groß und zu klein. Es ist, seien wir ganz bescheiden, eine Menschheits-Zukunfts-Herausforderung.
Matthias Horx
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Trenddossier „Design E-Mobility”
Zum weltweit ersten Mal thematisierte der Rat für Formgebung in Frankfurt den Zusammenhang von Design und E-Mobilität auf einer Konferenz. Zu diesem Kongress erstellte das Zukunftsinstitut ein thematisches Trenddossier, das die hochkarätig besetzte Veranstaltung begleitete.
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