Bling-Bling-Luxus war schon immer vulgär, doch seit der Wirtschafts- und Finanzkrise ist er außerdem zynisch. Behängt mit Gold und Diamanten kann sich kein Superreicher mehr auf die Straße trauen – doch wohin jetzt mit all dem Geld? Die Lösung heißt Stealth Luxury: sehr teure Dinge, denen nur Kenner ansehen können, dass sie teuer waren.

Holm Friebe

Holm Friebe, profilierter Stichwortgeber für neues Managementdenken. Mit seiner Zentrale Intelligenz Agentur (ZIA) berät er Marken und Institutionen. Aktuelles Buch: „Was Sie schon immer über 6 wissen wollten”

In Deckung!
Gehören Sie zum obersten Prozent der Einkommensschicht in Deutschland? Wenn Sie mehr als 126.000 Euro netto im Jahr verdienen, dann gehören Sie dazu. Falls nicht, ist es sehr wahrscheinlich, dass Sie zumindest zu den obersten zehn Prozent zählen. Die neue Elite fühlt sich nicht als Oberschicht, eher als gehobene Mittelschicht. Und die Reichen setzen alles daran, nicht dem Klischee des ostentativ zur Schau gestellten Reichtums zu entsprechen. Gleichzeitig will man seinesgleichen natürlich nach wie vor den eigenen Status signalisieren. In Zeiten, in denen sich Einkommen und Vermögen zunehmend polarisieren, wird diese Mimikry zur echten Herausforderung.

Aus „Conspicuous Consumption”, der öffentlichen Zurschaustellung, wird „Stealth Luxury”: Die neuen Statussymbole einer gebildeten und skrupulösen Oberschicht funktionieren wie eine Tarnkappe. Maskiert gegenüber einer breiten Öffentlichkeit, die sie gar nicht wahrnimmt – und als sprechender Insider-Code „for those who know”. Der Perfektionismus der kleinen Dinge, das Raffinement des ehemals Billigen und die Professionalisierung von Hobby und Freizeit werden zu Ventilen, richtig viel Geld auszugeben, ohne dabei vulgär – oder noch schlimmer: neureich – zu erscheinen. Wer dieser Zielgruppe, die allein dadurch immer attraktiver wird, dass sie trotz Finanzkrise über immer größere disponible Einkommensspitzen verfügt, etwas verkaufen will, muss diese Codes kennen. Mit dieser Ausgabe des Trend Update nehmen wir diesen Wandel des Luxussegments in den Blick und werfen Licht auf den Konsumstil der neuen Elite. Die moralische Bewertung des Themas überlassen wir Ihnen. Wir hoffen lediglich, Ihr Radar zu kalibrieren für einen Trend, der ebenso viele Marktchancen wie gesellschaftspolitischen Sprengstoff birgt.

Eine erhellende Lektüre wünscht

Holm Friebe

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