Euro-Bonds: die tapfere Transfer-Union Mehr zum Szenario »

Es gelingt, mit den momentan anlaufenden Maßnahmen, die Euro-Krise zu moderieren und zu beruhigen – Europa bleibt im Wesentlichen, wie es ist, ein loser Verbund von Staaten. Allerdings werden einige zentrale europäische Institutionen massiv gestärkt und ermächtigt.

Griechenland erhält in diesem Szenario schließlich einen Schuldenschnitt; gleichzeitig einigen sich alle europäischen Länder darauf, eine enge Schuldenbremse in ihre Verfassungen einzubauen und gleichzeitig Eurobonds als Machtmittel gegen die Finanzmärkte einzuführen. Eine gesamteuropäische Börsen-Transaktionssteuer wird eingeführt. Große europäische Banken gehören nun zumindest teilweise der europäischen Zentralbank. Die Finanzmärkte geben daraufhin ihre Spekulation gegen den Euroraum auf. Die Karawane zieht weiter. Die nächsten Finanzkrisen finden im Fernen Osten statt.

Gegen 2015 hat sich die Lage stabilisiert. Die Sparprogramme greifen und führen zu einem soliden europäischen Wirtschafts-Wachstum. Chinesisches und arabisches Kapital fließt in Strömen nach Europa, das sich gleichzeitig nach Osten und Süden, zu den neuen Boom-Märkten Asiens und Arabiens öffnet.

Auch in diesem Szenario kann es durchaus zu Einzel-Austritten aus der europäischen Union kommen. So könnten zum Beispiel einzelne kleinere Länder mit der Schweiz und England einen Währungsverbund bilden; diese Länder entwickeln sich zu Fluchthäfen für Vermögende, die die hohen und weitgehend homogenisierten Steuern im Euroraum nicht mehr zahlen wollen. Als Konsequenz setzt die Neu-EU die Freizügigkeitsgesetze zeitweise außer Kraft und verbietet den Kapitalhandel mit diesen Ländern. Es kommt zum Krach zwischen Hochsteuer- und Niedrigsteuer-Ländern. Deutschland wird der Über-Dominanz verdächtigt und teilweise massiv an den Pranger gestellt. Aber im Großen und Ganzen lautet die Devise: Auch in Zukunft werden wir uns am Ende zusammenraufen!

Euro-Core: die geschrumpfte Union Mehr zum Szenario »

Italien versinkt im Chaos, Spanien und Portugal erleben den Staatsbankrott, Griechenlands Wirtschaft kommt zum Erliegen, ein neuer Balkan-Konflikt bricht aus. Um den Virus der Krise zu stoppen, tun sich die kerneuropäischen Staaten zu einer Zentral-Union zusammen, steigen GEMEINSAM aus der EU aus und rufen einen EURO 2.0 ins Leben. Europa franst am Rand aus, ohne endgültig zu zerfallen. Kern-Europa, oder „die Euronordzone“ besteht nun aus Deutschland, Frankreich, Holland, den Skandinavischen Ländern und den baltischen Staaten, Österreich, Slowenien, Tschechien, der Slowakei. Ungarn scheidet aus der Union aus, ebenso wie Irland. Belgien zerfällt in separatistische Teilstaaten; stattdessen tritt jedoch die Schweiz der neuen Union bei.

Dieser scharfe Schnitt führt einige Jahre zu Konflikten und massivem Streit. Dann stabilisiert sich die Lage. Krisenstaaten und Neu-EU schließen bilaterale Verträge ab, die einen Großteil der alten Freizügigkeits-Rechte beibehalten (so wird das Recht auf freien Wohnort sowie die Schengen-Regel abgeschafft, aber Freihandel und Steuerfreiheit bleiben). Die Krisenländer können mit ihren eigenen Währungen nun ihre Produkte billiger anbieten und werden schnell konkurrenzfähiger. Kerneuropa synchronisiert weitgehend seine Sozialgesetze und Wirtschaftspolitiken und setzt auf Lebensqualität und Bürgersinn, auf qualitatives Wachstum und grüne Industrien. Und so konstituiert sich etwa um 2030 eine NEUE, diesmal noch größere Europäische Union, der diesmal auch Länder wie Tunesien, Libyen, die Türkei und Marokko angehören.

Euro-Block: die Vereinigten Staaten von Europa Mehr zum Szenario »

In einer vertieften, lang andauernden Wirtschafts-Krise, die mindestens bis 2015 andauert, gerät Europa immer wieder an den Rand des politisch-wirtschaftlichen Chaos. Die Zahlungsunfähigkeit mehrerer Länder führt zu ökonomischen Einbrüchen und politischen Turbulenzen, in denen sich demokratische Strukturen aufzulösen drohen. In mehreren Peripherie-Staaten ergreifen links- oder rechtsradikale Regierungen die Macht, es kommt zu Putsch-ähnlichen Prozessen und Volksaufständen. Eine tiefe Rezession in den USA verschärft das Problem.

Doch die Tiefe der Krise hat einen kathartischen Effekt: Mittelfristig setzt sich eine paneuropäische Bewegung in Form einer neuen Europa-Allianz durch. In einigen Ländern schließen sich mehrere Parteien zu einer Allianz für die komplette europäische Integration zusammen. In anderen werden Europaparteien neu gegründet, die rasch an Stimmen gewinnen. Langsam werden die „Separatisten“ entmachtet, gewinnen Kommission und Euro-Parlament an Einfluss. Dany Cohn-Bendit wird europäischer Umwelt- und Kulturminister. Joschka Fischer europäischer Präsident. Erstmals zieht Europa 2015 mit einem eigenen Verteidigungsminister in einen (erfolgreichen) Krieg.

Durch spektakuläre Wahlerfolge kommt es schließlich zu einer massiven Stimmung zugunsten einer „großen“ Lösung mit einer demokratisch direkt gewählten europäischen Zentralregierung (die in Rom, Berlin und Paris angesiedelt wird). Nur einige wenige Länder gehen einen separatistischen Weg und scheiden aus der EU aus. Gegen 2020 findet der Gründungsakt eines neuen Super-Staates statt, mit den ehemaligen Einzelstaaten als starken Bundesstaaten. Die VSE! Die Sozial- und Wirtschaftspolitik wird vereinheitlicht im Sinne einer sozial orientierten, innovativen Marktwirtschaft. So wird Europa wieder zu einem mächtigen und homogenen Wirtschaftsraum in einer neuen globalen Ordnung.

Euro-Split: neue Blöcke und Kleinstaaterei Mehr zum Szenario »

Im Jahre 2013 bricht Europa auseinander. Konferenzen über Konferenzen, Krisensitzungen ohne Ende konnten nicht verhindern, dass immer mehr Länder den EU-Verbund verlassen. Nationalismus und populistischer Separatismus haben die meisten nationalen Parlamente erobert. Durch die Staatspleite der Südlander haben sich dort katastrophale wirtschaftliche Verhältnisse entwickelt, mit der Folge von Flüchtlingsströmen in Richtung Norden. Als Konsequenz setzen die nordischen Staaten die Schengen-Gesetze außer Kraft, die Grenzen werden geschlossen.

Es beginnt ein vielfacher Spaltungs- und Rekonfigurierungs-Prozess. Im Jahre 2020 sieht Europa aus wie ein Flickenteppich mit mächtigen neuen Blöcken. England löst sich aus der EU und richtet sich mehr an den USA aus. Irland wird zu einer autonomen Freihandelszone von internationalem Kapital aus China, den USA und Indien – eine Schweiz des Atlantiks.

Der Süden Europas rekonfiguriert sich um die boomenden Staaten des Maghreb. Die Türkei führt diese Südallianz an und verleiht ihr eine enorme Wirtschaftsmacht. Der von Diktaturen befreite arabische Raum wird assoziiert. Spanien und Italien treten schließlich ebenfalls dieser mächtigen MITTELMEER-UNION bei.

Russland wird zum mächtigen Player im Osten des Kontinents. Es „kauft“ ganze Staaten: Ungarn, Rumänien und Bulgarien, aber auch einige kleinere zentraleuropäische Länder treten der NEUEN OSTUNION bei, der auch die Ukraine und Weissrussland angehören. Zwischen den baltischen Staaten, Polen und der Ostunion besteht Kriegsgefahr. Deutschland gehört zum „Nordischen Block“, der Skandinavien, Benelux, die baltischen Staaten und Polen umfasst. Diesem Block tritt schließlich die Schweiz bei.

Einzelne Staaten spielen ein Separat-Spiel, aber nun gehen neue Bruch- und Konfliktlinien durch den europäischen Kontinent. Mauern werden gebaut und Grenzen befestigt. Im Jahre 2020 kommt es zu bewaffneten Konflikten an der österreichisch-ungarischen Grenze. Österreich gibt daraufhin seine hartnäckig bewahrte Neutralität auf und tritt dem Nordbund bei. Dieser Nordbund erstarkt durch eine intensive Zusammenarbeit mit der chinesischen Wirtschaftsmacht. 30 Prozent aller Nordbund-Unternehmen gehören chinesischem Kapital. Was schließlich zu Spannungen mit den USA führt, die im Pazifik in einen Konflikt mit chinesischen Einflusszonen verwickelt wird… Unruhige Zeiten stehen bevor.

 

Welches der Mini-Szenarios für Europa halten Sie für am wahrscheinlichsten?

  • Euro-Bonds: die tapfere Transfer-Union (38%, 252 Stimmen)
  • Euro-Block: die Vereinigten Staaten von Europa (28%, 185 Stimmen)
  • Euro-Core: die geschrumpfte Union (24%, 161 Stimmen)
  • Euro-Split: neue Blöcke und Kleinstaaterei (10%, 73 Stimmen)

Anzahl der Stimmen: 671

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