Daten ändern den Blick auf die Stadt. Seit Einführung der Digitalfotografie gibt es kein Halten mehr: Immer und überall werden Bilder geschossen. Abermillionen von Bilddaten entstehen permanent rund um die Welt. Diese Fotos wandern aber nicht mehr ins private Familienfotoalbum. Sie gehen ins Web, auf Flickr, Picasa, Facebook oder andere Plattformen.

Daten ändern den Blick auf die Stadt Ideales Rohmaterial für einen Kartografie-Fan wie Eric Fischer. Der Programmierer und Infografik-Experte versteht es, uns dadurch mit Stadtansichten einer neuen Art zu begeistern. In der von ihm entwickelten Infografikserie „Locals and Tourists“ zeigen sich zugleich die Megatrends Connectivity und Mobilität.

Locals and Tourists #13 (GTWA #5): Berlin

Berlin: Wer sieht was in einer Stadt? Touristen (in rot) fotografieren ganz andere Dinge in einer Stadt als Einheimische (in blau). Diese Infografik macht ihr Verhalten sichtbar.

Creative Commons Lizenzvertrag Dieses Werk bzw. Inhalt steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz.

 

Fischers Suchprogramm durchsucht die frei zugänglichen Fotos im Netz und prüft, ob sie einen Geotag haben. Beim Geotagging ergänzen der Fotograf oder die Kamera das hochgeladene Foto um die Geodaten des Standorts. Anders gesagt: Man kann nachvollziehen, wann und wo ein Foto gemacht wurde. Rund jedes dreißigste Foto auf Flickr hat einen solchen Geotag und bildet damit einen Punkt in der Grafik. Werden zwei Fotos innerhalb von zehn Minuten geschossen, sind die Punkte in der Grafik durch eine Linie verbunden. Um zu unterscheiden, welche Fotos von Einheimischen (blau) und Besuchern (rot) gemacht werden, wendet Fischer eine einfache Logik an: Wer über einen Zeitraum von mehr als einem Monat Fotos in einer Stadt gemacht hat, zählt zu den Einheimischen, ist der Zeitraum kürzer, handelt es sich um einen Touristen. Fotos, die nicht zuzuordnen sind, werden gelb dargestellt. Werden die so gewonnenen Punkte über einen Plan der Stadt gelegt, erkennt man die Orte der Stadt, welche die Menschen gerne besuchen und fotografieren.

Die Meta-Logik hinter dieser Darstellung ist beachtlich: Obwohl die Regeln für die Zuordnung der Daten recht willkürlich und die Datenquellen sehr eng sind, erhält man doch ein sehr plastisches Bild über Bewegungs- und Attraktionsräume einer Stadt. Wo halten sich zum Beispiel Touristen lieber auf, wo die „Locals“? Wie bewegen sich Menschen durch eine Stadt, und wo verweilen sie länger? All dies erfahren wir, weil Menschen es lieben, Bilder zu machen. Ein, wie wir finden, erfrischendes Beispiel, wie vernetztes Denken und Tonnen von Daten zu neuen Erkenntnissen und Einsichten führen. Und zu spannenden Infografiken, von denen wir in Zukunft noch viel mehr erwarten können.

Locals and Tourists #35 (GTWA #26): Vienna

Wien

Locals and Tourists #48 (GTWA #41): Munich

München

Locals and Tourists #48 (GTWA #41): Munich

Hamburg

Creative Commons Lizenzvertrag Diese Werke bzw. Inhalte stehen unter einer Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz.